98630 Milz

Milz, Stadt Römhild, Landkreis Hildburghausen, Henneberg-Franken (Südwestthüringen)

Milzer Trachtenkirmes

Veranstalter

Kirmesgesellschaft Milz

Zeitpunkt

drittes Oktoberwochenende

Beschreibung und Ablauf

Der 1949  beschlossene Ablauf  der Milzer Kirmes  hat  sich  durch  all  die  Jahrzehnte  im wesentlichem kaum verändert. Einiges  wird  heute  zu etwas  veränderter Zeit, jedoch  noch  immer in  derselben Art und Weise  durchgeführt. So  ist  z.>B. der Kirmestermin  alljährlich  das  vorletzte  Wochenende  im Oktober.

1.Kirmestag  ist  schon  seit  Anfang  der 60er Jahre  der Samstag und  nicht  mehr  der Sonntag. Die im Beschluss  von 1949 erwähnte  Versammlung 2 Wochen  vor  der Kirmes , wird  heute  noch  zur gleichen Zeit  durchgeführt und  nennt  sich  seit  langem schon „ Antrinken“.

Die  Burschen  treffen  sich aber bereits von Ende August an wöchentlich. Die  Mädchen nehmen

4 Wochen vor dem Fest zum ersten Mal an der Versammlung teil. Bis  zu  diesem Zeitpunkt muss

Jeder Kirmesbursche die Eltern seiner „ Plotzere“ um Erlaubnis gefragt haben. Die Nachkirmes findet eine Woche  nach  der Kirmes statt.

Ablauf  der Kirmes :

  1. 2 Wochen vor dem Fest (freitags)  wird  die  Kirmes  „angetrunken“. Es  werden  die  Kirmesgesetze verlesen und jeder  Beteiligte hat sich  mit  seiner  Unterschrift damit  einverstanden zu  erklären und  die daraus  folgenden Pflichten  und  Rechte  zu  Dies  wird  dem Gemeindekirchenrad mitgeteilt.
  2. Am nächsten Tag ( Samstag) fahren die Kirmesburschen früh um 7 Uhr , ausgerüstet mit Axt, Säge sowie der  vom Vortage  übriggebliebenen Verpflegung  in  den  Wald  , um dort Wedel und ca. 20  kleine Tannenbäume zu  schlagen  bzw. zu  holen .
  3. Ab Sonntag wird sich  täglich zum „ Wedelschneiden“ ( Mädchen ) bzw. zum „Girlandenbinden“ ( Jungen )  im Planzimmer getroffen. Alle Beteiligten  nehmen  daran teil. Bis  zum Donnerstag oder Freitag in der darauffolgenden Wochen gibt es  reichlich zu tun. Es  müssen  neben  dem Kranz und  der Girlande ( Länge 17 m) für  den  Kirmesbaum auch  noch 4 kleinere Girlanden ( 5-7 m) und  ein Kranz gebunden werden. Hiermit schmückt man  die Kirche und  den Saal.
  4. Eine Woche vor der Kirmes wird dann der Kirmesbaum geholt. Wiederum ziehen die Jungen  der Kirmesgesellschaft  in den Wald. Das Fällen und  Schälen des Baumes wird  noch immer ausschließlich mit Bogensäge  und Schäleisen durchgeführt. In den folgenden Tagen wird  der Baum regelmäßig nachgeschält und es  wird  die   seit  einigen  Jahren  übliche   Halterung  für  den Kirmesbaum   auf  dem Festplatz  montiert . An den Abenden  wird  die  Polonaise einstudiert.
  5. Am Donnerstag wird  der Kirmesbaum aufgestellt. Bis zum Mittag  muss alles  vorbereitet sein. Seile  Aufrichtkreuze und  anderes Zubehör müssen bereit stehen und  die  Hauptstraße   muss  gesperrt  Die  Kirmesmädchen bereiten, nachdem  sie den Baum geschmückt haben , einen Imbiss zum Mittag  vor . Gegen 12 Uhr bekommt die  Kirmesgesellschaft dann Hilfe  aus  dem ganzen Dorf, vor allem von den in der Agrargenossenschaft arbeitenden Männern. Am Nachmittag wird  die  Bühne  für  die Planaufführung  aufgebaut.
  6. Am Freitagmorgen machen die Mädchen die Kirche  sauber und  schmücken sie. Die  Jungen stellen an Gaststätten, Planzimmer, Saal und Kirche  Bäumchen auf. Die  Gisserträger holen den Kirmeskuchen, der  seit mehreren Jahren  vom Bäcker  gebacken wird. Bis  zur  Kirmes  im Jahr 1973  war  es  üblich , dass die Kirmesgesellschaft  2  Schweine  und  ein Kalb geschlachtet  haben . Das  war  der   mangelhaften Versorgung  solcher  tratitionellen Feste  geschultet. Es  wurden  bis  zu  2000 Bratwürste  zur Versorgung  der Kirmesgäste  hergestellt  und auf  dem Dorfplatz gebraten.  Kochwurst  und  Wurstsuppe  wurde   an  die  Bevölkerung   verkauft . 1994  durfte  der Bürgermeister  keine  Schlachtscheine mehr für  die  Kirmes  ausstellen . ( 2018 hat  die  Kirmesgesellschaft  zur “ Eigenversorgung“   wieder eine Schwein geschlachtet. )
  7. Am Freitagabend, dem sogenannten „ Kirmesheiligabend“ ,treffen sich die Plotzer mit  der Kapelle  im Planzimmer. Sie  gehen gemeinsam durchs Dorf und spielen dem Pfarrer, Bürgermeister, Kirmespfarrer und  Schulz ein Ständchen. Vor Jahren bekam auch der „Lehrer“ noch  ein Ständchen, dies  wurde aber mit  dem Verlegen der oberen Klassen  nach  Römhild eingestellt. Danach  werden  die Kirmesmädchen abgeholt und es  gibt überall reichlich  Essen  und Trinken. Um ca. 1.00 Uhr stattet  die  Kirmesgesellschaft, dann  komplett, jeder Gaststätte bzw.  den Gästen  im Kulturhaus  einen Besuch  ab.
  8. Die Kirmes :

Samstag     ab    7.00 Uhr   Choräleblasen  an  allen Straßenecken des Dorfes

ab    9.30 Uhr    Festgottesdienst  mit  der Kirmesgesellschaft

ab  13.00 Uhr   Umzug durchs Dorf – Die Kirmesburschen  holen die  Mädchen   ab, die mit geschmücktem Zylindern ( Band  und  Blumen )  schon   warten.

anschl.:            Planaufführung mit den Sprüchen  der Plotzer

anschl.:            Kindertanz ( seit 1995 mit  Auftritten  der Kinderkirmesgesellschaft)

ab.: 20 Uhr      Kirmestanz  im Kulturhaus

Sonntag     ab  8.00  Uhr   Ständchen im ganzen Dorf

ab 15.00 Uhr   Umzug wie am Vortag mit Planaufführung  und Kirmespredigt

anschließend  Kaffee , Kuchen – Bier  und  Bratwurst   im Kulturhaus  mit   Musik und fröhlichem  Beisammensein . Auf  den sonst üblichen  abendlichen  Kirmestanz    wird  seit  einigen Jahren  verzichtet. Dafür  gibt es nach  der Kirmespredigt  einen  gemütlichen Ausklang  mit Musik  im Kulturhaus  der  sich meist  bis  in  die  späten  Abendstunden  hinzieht.

Für  die  Kirmesgesellschaft bedeutet dieses Programm reichlich positiven Stress, denn neben den oben genannten Terminen muss nach  jeder Veranstaltung der Saal  aufgeräumt werden.

Fototermine und  das traditionelle  Mittagessen beim jeweiligen Kirmesmädchen stehen desweiterem auf dem Programm.

Die  Feierlichkeiten  in den Kneipen  haben Ihren Ursprung  wohl darin, dass  die Kirmes bis  in die  60er Jahre  sonntags und  montags  gefeiert wurde, da  damals  der Samstag noch  kein arbeitsfreier Tag war. Viele  nutzen heute  den Montag zu einem ausgedehnten Frühschoppen  bei  deftigem Essen oder einfach  nur  zum ausruhen.

  1. Die Nachkirmes :

Am Samstag ist  Nachkirmestanz. Dabei sagen  die  Mädchen  zu Beginn  Ihre  Sprüche über Ihren Plotzer auf  und  geben ihm Kontra.

Am Sonntag  wird seit 1993 regelmäßig  ein musikalischer Frühschoppen zum Ausklang der Kirmes  durchgeführt.

Details , die  die Milzer Kirmes  prägten und  die  noch  heute  erhalten  werden :

Neben dem  immer  wieder gleichen Ablauf und  den  in den Kirmesgesetzen festgelegten  Merkmalen  der Milzer Kirmes gibt es  zahlreiche  Details die  sich im Laufe  der Jahre  entwickelten und  heute  schon  eine  gewisse Tradition haben .

Hier einige  Beispiele :

  • Der Kirchgang zum Festgottesdienst erfolgt  für  die   Planmädchen  in Atlastracht.
  • Der Kirmespfarrer und der Kirmesschulz tragen Frack und  Zylinder während  der  gesamten Tanzveranstaltung. Desweiteren  ist es  Ihnen  vorenthalten den „Kirmesschlachtruf“  mit zuschreien.
  • Der Kirmesschlachtruf ertönt zum ersten Mal nach  dem verlesen  der Kirmesgesetze  durch  den Kirmespfarrer beim Antrinken, vorher
  • Die Planburschen  holen ihre  Mädchen zu allen  Veranstaltungen ab  und  bringen  sie  wieder nach Hause.
  • Die Mädchen schmücken  Frack  und  Zylinder Ihrer Kirmesburschen und  sind  während  der Kirmes dazu verpflichtet , auf den Zylinder Ihres Plotzers  aufzupassen .
  • Das Baumfällen wird  noch  immer  mit  einer Bogensäge durchgeführt. Auch  beim Schlagen der Wedel sind Motorsägen u.ä. „verboten“. Dies  alles  erfolgt von Hand.

Historisches :  1962  Das  schwarze  Jahr  in  der Milzer Kirmesgeschichte

Der  Einfluß  der  regierenden SED ( Sozialistische Einheitspartei) , mit Ihrer immer  stärkeren Propaganda, forderte auch in  den an  der Grenze  liegenden Dörfern  ihre Opfer  ( 1961 Mauerbau ,Sperrgebiet und Sicherung  der Staatsgrenze West ).   In Milz sollte , wie  vielerorts, die Kirmes in Zukunft  von  der FDJ ( Freie Deutsche Jugend)  organisiert werden. Man versprach , das Kulturhaus kostenlos  zur verfügung zustellen und  ähnliches  , wenn sich  die Jugend  auf diesen Kompromiß einließe. Es  wurde starker Druck seitend  der SED Ortsgruppe , der Lehrerschaft und des Gemeinderates ausgeübt  und  die  Mitglieder der Kirmesgesellschaft wurden öffendlich an den Pranger gestellt .  Kirchgang, Planaufführung und Tracht  sowie  das Pflegen  alter Bräuche  waren unerwünscht und  sollten  abgeschaft werden. Viele  Jungendliche  durften von ihrem Elternhause  aus  nur bei der Kirmes  mitwirken , wenn sie auf  den Kirchgang verzichten  würden. Sogar im Wirtshaus wurde  die  übliche Form  der Kirchweih kritisiert. Durch all  diesen öffendlichen Druck entschloß  sich die Kirmesgesellschaft von 1962 dazu , die Kirmes lieber garnicht , als  nach den Vorstellungen mancher Ortsfunktionäre  zu feiern .                                   So wurde  1962 nur seitens des Sportvereins ein Tanzabend organisiert und man schrieb eine Kirmespredigt , die  von Helmut Wehner  verlesen wurde.

In darauffolgenden Jahr  hatten  sich  die   Parteigenossen  im Dorf  und  Landkreis    etwas  beruhigt und  die Kirmes  wurde wieder in ihrer ursprünglichen Form gefeiert. Hätte  die  1962 iger Kirmesgesellschaft nicht  mutig  und konsequent Ihren Willen  durchgesetzt , gäbe  es  wohl heute  keine  Kirmes  mehr .

Programm 2018

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